Überarbeitet und eingeordnet am 9. September 2026.

Dieser Beitrag ist für mich ein kleines Zeitdokument aus meinem Berufsalltag. Im Frühjahr 2022 war Energie plötzlich eines der beherrschenden Themen in Schwimmbädern. Damals arbeitete ich im Sportbad Ziehers-Nord in Fulda, als der Hessische Rundfunk bei uns zu Gast war.

Der konkrete Anlass war die Frage: Wie lässt sich in einem Schwimmbad kurzfristig Energie sparen, ohne den Betrieb komplett einzuschränken?

2022 wurden die Beckentemperaturen gesenkt

Damals wurde angekündigt, die Temperatur im Schwimmerbecken von 28 auf 26 Grad Celsius zu reduzieren. Im Nichtschwimmerbecken ging es von 30 auf 29 Grad.

Ein oder zwei Grad wirken auf dem Papier zunächst nicht besonders spektakulär. In einem Schwimmbad reden wir aber nicht über eine Badewanne, sondern über große Wassermengen, die dauerhaft auf Temperatur gehalten werden müssen.

Wie groß die tatsächliche Einsparung ausfällt, hängt von vielen Dingen ab: Hallentemperatur, Luftfeuchtigkeit, Beckenfläche, Lüftung, Außentemperatur, Nutzung und natürlich der jeweiligen Anlagentechnik. Eine pauschale Prozentzahl würde ich deshalb heute nicht mehr nennen.

Für Badegäste ist ein Grad durchaus spürbar

Aus Sicht des Betriebs ist Temperatur immer ein Kompromiss. Was technisch nach einer kleinen Änderung aussieht, merken regelmäßige Badegäste teilweise sofort.

Besonders unterschiedlich sind die Erwartungen je nach Nutzung: Wer Bahnen schwimmt, empfindet eine niedrigere Temperatur häufig anders als Familien mit Kindern oder Menschen, die sich nur wenig im Wasser bewegen.

Genau deshalb ist „wir drehen einfach zwei Grad runter“ aus Sicht eines Bäderbetriebs nicht ganz so banal, wie es zunächst klingt.

Abdeckungen sind bei Freibädern ebenfalls interessant

Im selben Zusammenhang bekam das Rosenbad in Fulda damals eine Abdeckplane für das große 50-Meter-Sportbecken. Die Idee dahinter ist einfach: Wenn das Becken außerhalb der Nutzungszeit abgedeckt wird, lässt sich Wärmeverlust reduzieren.

Gerade im Freibad spielt die Umgebung natürlich eine wesentlich größere Rolle als in einer Halle. Kalte Nächte, Wind und die große freie Wasseroberfläche machen sich bemerkbar.

Energie sparen ist mehr als nur die Wassertemperatur

Mit einigen Jahren zusätzlicher Berufserfahrung würde ich den damaligen Beitrag heute breiter betrachten. Die Beckentemperatur ist nur eine Stellschraube.

Im Bäderbetrieb können unter anderem eine Rolle spielen:

  • Beckenabdeckungen außerhalb der Öffnungszeiten,
  • passende Betriebszeiten von Pumpen und Attraktionen,
  • optimierte Lüftungs- und Heizungsregelung,
  • Wärmerückgewinnung,
  • regelmäßige Wartung der technischen Anlagen,
  • Vermeidung unnötiger Wärme- und Wasserverluste.

Dabei darf man nicht einfach an jeder Anlage auf „weniger“ drehen. Wasserqualität, Hygiene, Sicherheit und die technischen Vorgaben des jeweiligen Bades haben natürlich Vorrang.

Warum ich den alten Artikel behalte

Viele technische Meldungen aus 2022 kann man heute problemlos aussortieren. Diesen Beitrag möchte ich dagegen bewusst behalten, weil er zeigt, wie sich eine damalige Energiekrise ganz konkret auf meinen Arbeitsalltag im Schwimmbad ausgewirkt hat.

Solche Beiträge sind für mich inzwischen auch ein Stück Dokumentation meines Berufs als Fachangestellter für Bäderbetriebe.

Fazit

Die Maßnahmen von 2022 waren aus einer besonderen Situation heraus entstanden. Die Grundfrage bleibt aber aktuell: Wie betreibt man ein Schwimmbad möglichst energieeffizient, ohne bei Hygiene, Sicherheit und sinnvoller Nutzung falsche Kompromisse einzugehen?

Das ist wesentlich spannender als nur die Frage, ob das Becken nun 26, 27 oder 28 Grad hat.